Start: Musik Sendung mit der Maus
Das ist Herr Müller. Herr Müller ist Personalentwickler in einer großen Fabrik, die Schokolade herstellt mit ganz vielen Arbeitern. Personalentwickler sagt man in Fabriken für solche Leute, zu
denen man in der Schule Lehrer sagt und zu Hause Papa oder Mama. Und Personal ist ein anderes Wort für Arbeiter. Und was der Herr Müller als Personalentwickler, also als Entwickler von Arbeit und
von Arbeitern, so den ganzen Tag in der Schokoladenfabrik macht, das erfährst du heute.
Morgens steht der Herr Müller ganz normal auf, wie das andere Leute auch tun. Er putzt sich die Zähne und er nimmt eine warme Dusche. Dabei überlegt er sich neue Ideen und neue Aufgaben für die
Arbeiter in der Fabrik, damit die immer schlauer und immer fleissiger werden. Das gefällt ihm gut. Danach fährt der Herr Müller mit der Straßenbahn in seine Firma, wo er als Personalentwickler
arbeitet. Weil er in einer Schokoladenfabrik arbeitet, isst er zum Frühstück immer eine ganze Tafel Schokolade. Da kann er gleichzeitig prüfen, ob sie gut schmeckt. Die kauft er sich aber, er nimmt
die nicht einfach so weg.
Meistens freut sich der Herr Müller, wenn er in die Fabrik geht. Alle kennen ihn da. Manche mögen ihn, und manche mögen ihn nicht. Besonders die faulen Arbeiter mögen ihn gar nicht. Aber manchmal
mögen ihn auch die Fleißigen nicht, weil der Herr Müller immer die Arbeit verändern will. Und die Arbeiter gucken immer Fernsehen, weil die auch mal was Neues sehen wollen, aber in der Arbeit
wollen sie selber nicht so gerne etwas Neues machen, es reicht ihnen meistens, wenn sie das bei anderen angucken können. Sie haben nämlich manchmal Angst, wenn sie was Neues ausprobieren, könnten
sie Fehler machen und ausgeschimpft werden.
Eine Fabrik ist ein großes Haus mit vielen Arbeitern. Die gehen da alle hin, weil sie dort Geld bekommen, wenn sie da arbeiten. Ansonsten würden sie nicht hingehen, sondern zu Hause bleiben, und
vielleicht länger schlafen, oder Fernsehen gucken.
Manche Arbeiter wollen das Geld haben, obwohl sie gar nicht so gut arbeiten, sondern ganz lange auf der Toilette sitzen und in der Nase bohren, oder auch nur so tun, als würden sie arbeiten, aber
nur wenn einer guckt. Zu denen sagt der Herr Müller immer X-Arbeiter. Und andere Arbeiter würden gerne noch besser arbeiten, als sie jetzt bereits schon tun, und machen sich ganz viele Gedanken und
probieren ganz doll Sachen aus. Zu denen sagt Herr Müller immer Y-Arbeiter. Und ein paar Arbeiter essen sogar die Schokolade selber, anstatt sie in die schönen Papiere einzuwickeln, um sie im
Geschäft zu verkaufen. Zu denen sagt Herr Müller immer, dass das nicht geht, und dass die rausfliegen, wenn er sie noch mal erwischt.
Und damit aber alle Arbeiter ihre Arbeit richtig toll machen, und am Ende ganz viel Geld bekommen und sich auch so ein bisschen fühlen wie gute Menschen sich fühlen (zum Beispiel wie Superman), und
damit alle zufrieden sind mit der großen Fabrik, dafür macht der Herr Müller seine Personalentwicklung in seiner Personalabteilung. Und das geht so:
Zuerst spricht der Herr Müller mit dem obersten Boss. Das ist nicht nur sein Chef, sondern der Chef der ganzen Fabrik. Eigentlich ist auch die Personalentwicklung nicht die Personalentwicklung von
dem Herrn Müller, sondern von der ganzen Fabrik. Weil aber der Herr Müller das Geld davon bekommt, sagen fast alle, dass das die Personalentwicklung von dem Herrn Müller ist. Das stimmt aber
nicht.
Herr Müller fragt dann den großen Chef, was die Arbeiter so in der nächsten Zeit arbeiten müssen, damit er denen das beibringen kann. Meistens weiß der Herr Müller das auch schon selber, aber es
ist wichtig, dass der Chef das Gleiche meint!
Manchmal kann der Chef etwas dazu sagen, manchmal weiß er das selber auch nicht. Dann müssen alle ganz viele Zeitungen lesen und auch Fernsehen gucken und sogar im Internet rumsurfen, um eine Idee
zu bekommen, mit welcher Arbeit oder mit welchem Schokoladenrezept man am besten anfangen sollte, damit ganz viele Leute die Schokolade kaufen.
Und dann fragen die auch die Kunden der großen Fabrik, die die Schokolade kaufen. Und sie fragen die Arbeiter, die in der Firma arbeiten. Und sie gucken natürlich auch, was andere große Fabriken so
machen, die auch Schokolade herstellen.
Du merkst schon: Allein schon die Vorbereitung von der Arbeit von dem Herrn Müller hält ganz schön lange auf. Und so ist ganz gut zu verstehen, dass der oberste Chef manchmal gar keine Lust hat,
mit dem Herrn Müller zu reden, und auch gar keine Lust hat, sich zu überlegen, wie die Arbeiter noch besser arbeiten können und noch glücklicher bei der Arbeit sind. Einmal hat er sogar gesagt:
„Die sollen von sich aus schon gut arbeiten sonst schmeiss ich die alle raus! Und dann schmeiss ich Sie auch raus, Müller! Ich habe keine Lust auf Personalentwicklung, ich will Geld
verdienen!“.
Und hier merkst du schon etwas sehr Wichtiges: Solange ganz viele Kunden die Schokolade kaufen, interessiert sich der Chef nicht für die Personalentwicklung von dem Herrn Müller. Aber wenn es nicht
so gut läuft, dann denkt er, „Mensch, was können wir denn machen, damit bei uns das Geschäft wieder ein bisschen besser läuft, und damit wir mehr Schokolade verkaufen“.
Und dann ruft er wieder den Herrn Müller. Und damit der Herr Müller sich auch fühlt wie ein guter Mensch, hat der Chef jetzt auch allen Arbeitern gesagt: „Das ist der Herr Müller, und den brauchen
wir auch, weil er mit Euch eine sehr schöne Personalentwicklung macht. Er überlegt welche Arbeit die Langsamen am besten machen, und welche Arbeit die Schnellen. Und er denkt über jeden von Euch
einzeln nach, damit wir insgesamt eine gute Fabrik sind“.
Da war der Herr Müller zufrieden und auch ein bisschen stolz. Denn er ist ja sicher, dass alle Menschen gut sind, und dass sie manchmal nur aus einer faulen Schale raus gewickelt werden müssen.
Der Herr Müller hat früher immer gedacht, er macht zwar Personalentwicklung mit den Arbeitern, aber irgendjemand muss auch so eine Personalentwicklung mit ihm machen, weil er im Grunde genommen
doch auch ein Arbeiter ist. Also der Herr Müller hat sich gewünscht, dass er auch so einen Lehrer oder einen Papa in der Fabrik hat. Aber dann ist ihm eingefallen, dass er ja selber groß ist, und
dass er ja sein Geld genau dafür bekommt, dass er die Personalentwicklung für die anderen macht. Da hat er sich was ganz Schlaues überlegt, und das war seine Personalstrategie. Die hat er mit
seinem Chef auch besprochen, und die geht so:
Und der Herr Müller guckt sich ganz genau an, wie viele Pakete Schokolade verkauft werden müssen, damit alle Arbeiter Geld bekommen können. Wenn er das nicht versteht, kann er auch einen Geldzähler
aus der Fabrik fragen. Das sind besondere Arbeiter, die wissen, wie man das Geld richtig zählt, und die heißen Controller. Und dann rechnet der Herr Müller zusammen mit dem Geldzähler aus, welche
Arbeiter schon genug Schokolade machen, und welche nicht genug Schokolade machen. Und manche machen sogar mehr, als sie eigentlich sollten, die guckt der Herr Müller sich ganz genau an.
Die Arbeiter teilt der Herr Müller jetzt in 4 Gruppen ein:
Gruppe 1: Die Superarbeiter
Gruppe 2: Die OK-Arbeiter
Gruppe 3: Die faulen Säcke
Gruppe 4: Die Anfänger
Gruppe 5: Die Alten
Dann gibt er jedem von denen unterschiedliche Aufgaben:
Den Superarbeitern bringt er bei, wie sie ihr Können den OK-Arbeitern beibringen. Da macht er so Grüppchen, in denen immer ein Superarbeiter mit einem OK-Arbeiter zusammenarbeitet und ihm seine
Geheimnisse verrät. Der Superarbeiter sieht dann auch, ob der andere am besten kochen oder einpacken kann, und das was er am besten kann, soll er auch machen.
Die faulen Säcke bekommen erstmal ein bisschen Ärger. Das ist zwar nicht so schön, aber sie bekommen weniger Ärger, als sie eigentlich verdient hätten. Danach bekommen die noch eine Chance, aber
Herr Müller schreibt sich die Namen genau auf und lässt sich auch nicht hinters Licht führen. Die faulen Säcke bekommen dann ein spezielles Trainingsprogramm, damit Herr Müller erkennt, wer von
denen noch nicht weiß, wie Schokolade machen geht (der kommt dann zu den Anfängern), wer eigentlich ein OK-Arbeiter ist, der das nur zwischendurch vergessen hatte, und wer nicht mehr in die Fabrik
kommen darf, weil er einfach nur ein fauler Sack ist und gar kein Arbeiter.
Die Anfänger bekommen von Herrn Müller erstmal noch ganz genau erklärt, wie man Schokolade macht, denn das wissen die ja noch nicht so gut.
Bei den Alten ist sich Herr Müller noch gar nicht so sicher, denn einige sind krank, und können deshalb nicht so schnell arbeiten, und einige sind gar nicht krank und arbeiten noch besser als die
jungen Arbeiter, und deshalb macht der Herr Müller mit denen erstmal eine große Besprechung und die hat jetzt noch nicht stattgefunden. Außerdem will der Herr Müller selber darüber ein Buch lesen
und auch nochmal mit einem anderen Kollegen sprechen, der in einer anderen Fabrik die Personalentwicklung macht, und der sein Freund ist.
Wenn sie das so zwei Wochen gemacht haben, setzt sich der Herr Müller mit den Arbeitern zusammen und sie legen genau fest, wie viel Schokolade sie machen werden, und wer kocht und wer eher
packt.
Und dann bekommen die Arbeiter, die mehr arbeiten als sie müßten, mehr Geld, und die, die weniger arbeiten als sie sollten, bekommen weniger Geld. Und die Superarbeiter bekommen nicht nur Geld,
sondern auch eine tolle Medaille und ein Supermankostüm, damit sie noch ganz lange in dieser Fabrik weiter arbeiten. Darauf sind sie ganz stolz und auch ihre Familien sind ganz stolz. Dann sind
alle glücklich und der Herr Müller kann auch sehr glücklich sein.
Am allerglücklichsten ist aber auch der Chef von dem Herrn Müller, und der hat gesagt: „Müller, Sie sind ein guter Personalentwickler, das ganze Personal hat sich entwickelt und ist nicht mehr so
fest eingewickelt, dass es nicht arbeiten kann. Diese Arbeiter machen wirklich gute Schokolade, ohne sie würde es nicht gehen!“ Und da hat sich der Herr Müller gefreut. An diesem Abend hat er gar
nicht gemerkt, wie er mit der Straßenbahn nach Hause gefahren ist, weil er richtig schwebte.
Ende: Musik Sendung mit der Maus
Text mit freundlicher Genehmigung von
Anna Laven
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